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Muslimische Freitagspredigten in Deutschland – überraschende Erkenntnisse

29 April 19:00 - 21:00

Achtung: Digitale Veranstaltung.

Dr. Jörn Thiemann

Muslimische Predigten werden in der Öffentlichkeit oft mit Hass und Abgrenzung verbunden. Doch was wird wirklich in den Moscheen der großen islamischen Verbände am Freitag gepredigt?  Ein Projekt des Forschungszentrums für Islam und Recht in Europa an der Universität Erlangen-Nürnberg hat die Freitagspredigten bei den beiden großen Moscheeverbänden DITIB und Milli Görüs der letzten Jahrzehnte gesichtet.

Was sind die Predigtthemen? Worum geht es – um religiöse Unterweisung und moralische Formung oder um Hass? Wird eher ein Engagement als Bürger*innen islamischen Glaubens gefördert oder Abschottung gepredigt?

Wie sind die Predigten in Ausnahmesituationen angelegt, zum Beispiel nach dem terroristischen Angriff der HAMAS auf Israel und dem folgenden Gaza-Krieg? Der Referent stellte uns seine überraschenden Forschungsergebnisse vor.

Referent: Dr. Jörn Thielmann, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Moderation: JProf. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, Dialogforum

Anmeldung erforderlich bis 28.04.2026 unter rgv@ekkdo.de

Achtung: Digitale Veranstaltung. Ein Zoom-Link wird nach  Anmeldung zugesandt. Digitaler Raum geöffnet ab 18.45 Uhr

 

Ein Bericht von Pfarrer Friedrich Stiller

Muslimische Freitagspredigten – Anlass für gute Nachrichten?

Veranstaltung des Christlich- islamisches Dialogforum präsentiert überraschende Ergebnisse

Alle klagen über die schlechten Zeiten, aber es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Beim Diskussionsabend des Christlich- islamischen Dialogforums Ende April ging es um muslimische Freitagspredigten in Deutschland. In der digitalen Konferenz trug der Referent, Dr. Jörn Thielmann von der Universität in Erlangen-Nürnberg die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor, das tausende Freitagspredigten von großen muslimischen Verbänden in Deutschland untersucht hat. Unter ihnen auch so umstrittene Vereinigungen wie DITIB oder Milli Görisch (IGMG). Von den etwa 2100 Moscheen wurden die Predigten von circa 1600 bis 1700 über mehrere Jahrgänge untersucht.

Hier kommt die gute Nachricht: In Moscheen wird kein Hass gepredigt! Im Gegenteil. Dr. Thielmann konnte anhand seiner umfangreichen Untersuchungen deutlich machen, dass im Vordergrund religiöse Themen und moralische Alltagsregeln stehen, Empfehlungen, sich für das Gemeinwesen einzusetzen und Aufrufe zur Integration. Oft geht es um Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft, freundliches Verhalten im Alltag und persönliche Mäßigung. In einigen Verbänden wird sogar regelmäßig über Umweltschutz und Nachhaltigkeit gepredigt.

Fast zu schön um wahr zu sein erschien das Ergebnis. Darum gab es kritische Rückfragen in der Diskussion. Der Referent konnte die Fragen aber beantworten. Zugleich wies er auch auf randständige Moscheevereine hin, die es natürlich auch in Deutschland gibt, und in denen es doch radikal zugeht, beispielsweise bei den Salafisten. Aber, so Dr. Thielmann, sie stellen eine verschwindende Minderheit dar, für die man die anderen Muslime nicht verantwortlich machen kann. Die Vertreterin einer Beratungsstelle gegen Islamismus rief an der Stelle in der Diskussion auf, Einzelbeobachtungen nicht zu verallgemeinern. Hochrangige Vertreter von Verbänden, die sich im Publikum befanden und teilweise die selbst an der Veröffentlichung solcher Predigten beteiligt waren, stimmten zu.

Als Zusammenfassung formulierte der Referent, dass in den Freitagspredigten oft für eine „Gemeinschaft der Ausgewogenheit“ und der Mitte geworben wird. Das zeigte sich auch nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023, so der Forscher. Es war große Zurückhaltung und Ausgewogenheit zu beobachten sowie das Vermeiden von antisemitischen Stereotypen. Für viele ein überraschendes Ergebnis.

Diese Beobachtungen stehen im krassen Gegensatz zu vielem, was in der Öffentlichkeit behauptet wird, auch in den umstrittenen Veröffentlichungen des bekannten Journalisten Constantin Schreiber. Ihm sprach der Referent schlicht die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit ab. So zeigte sich im Hintergrund wieder ein Grundsatzproblem des interreligiösen Dialogs: Wie schwer es ist, Vorurteilen zu begegnen.

Die Veranstalter*innen vom Dialogforum, Dr. Kamcili- Yildiz und Pfarrer Friedrich Stiller, dankten am Ende dem Referenten, dass er sowohl überraschende Informationen als auch gute Nachrichten verbreitet hat.

Friedrich Stiller, 30.04.26

Details

  • Datum: 29 April
  • Zeit:
    19:00 - 21:00

Veranstaltungsort

  • digital